Der Asiate im Rheingefilde

Es war etwa 16:30 Uhr als der Vorbereitungskurs zur Fischerprüfung in Emmerich endete und sämtliche Lehrgangsutensilien inkl. Kaffeemaschine, Rutenset, Fischkarten etc. im Auto verschwunden waren.
Trotz Regen beschloss ich aufgrund des geilen hohen Rheinpegels von 366 cm in Emmerich mich auf den Weg zu meiner Lieblingsbuhne zu machen. Also ab ins Auto, auf in Richtung Fließwasser.

Bereits nach dem dritten Wurf am Spot spürte ich ein leichtes „TOCK“ und schlug an. Offensichtlich waren Weißfische am Platz, wie mir eine gehakte Rundschuppe verriet. Etwa fünf Würfe später wieder ein leichtes „TOCK“… nach etwa 3 Sekunden stieg der Fisch aus… war es dieses mal ein Zander? Eine aufgespießte Rundschuppe gab es dieses mal jedenfalls nicht.

Der nächste Biss lies lange auf sich warten.
Etwa 40 Minuten später bekam ich einen guten Einschlag in den Rutenblank. „TOCK“, Anhieb, sitzt!
Sofort merkte ich, dass es sich um einen Zander handeln muss, der kurz vor Beginn der Steinpackung den Pro Shad volley genommen hat.

Mit exakt 60 cm ein wirklich klasse Fisch.

Nach einem weiteren Fehlbiss fiel auch schon die Dunkelheit herein.
Ich musste den dritten Abriss des Abends hinnehmen und der Regen begann stärker zu werden. Ich wollte schon Feierabend machen, doch dann regte sich ein bekannter Gedanke in mir:
„Komm, bevor du abhaust bindest du dir noch dein Kombivorfach an die Hauptschnur und hängst einen Köder ein, für die nächste Session.“
Gesagt getan. „Ach komm, ein paar Würfe hier vorne im hängerfreien Bereich gehen noch.“, sagte ich mir monologartig.
Nach genau dem zweiten Wurf schepperte mir etwas in die Rute.

Trotz straff eingestellter Bremse zog mir der Fisch einige Meter Schnur von der Rolle.
Der erste Gedanke war, dass ein halbstarker Wels sich am Sandrashad vergriffen hat … oder ist es etwa doch DER Zander? …
Nach einigen weiteren Sekunden kamen mir die in die Rute übertragenden Stöße und Fluchten sehr seltsam vor. Es fühlte sich ganz typisch wie bei einem quergehakten großen Fisch an. Wenige Minuten später zeigte sich mein Gegenüber an der Wasseroberfläche.
Ein schwarz-silbriges Wesen regte sich im Schatten der Nacht.
War es doch ein Wels oder eine Monsterbrasse? Ein endkapitaler Rapfen??
Kurz vor der Landung sah ich ihn dann, einen vermeintlichen Rheinmarmorkarpfen.

Ich hab´ am Rhein ja schon diverse Fischarten ans Band bekommen. Aber so einen Genossen…
Vater Rhein ist immer wieder für eine Überraschung gut. Unfassbar.

Letztendlich überprüfte ich Zuhause, ob es sich nun wirklich um einen Marmorkarpfen handelt.
Es gibt nämlich eine Fischart, die dem Marmorkarpfen sehr ähnelt. Der Silberkarpfen.
In Bezug auf diese sehr schwer gezielt zu fangenden Fischarten sind meine Erfahrungen einfach zu gering.

Die Asiaten Marmor-, Gras- und Silberkarpfen sind nämlich in einigen europäischen Gewässern mittlerweile mehr oder minder stark vertreten. Insbesondere durch kritisch zu bewertende Besatzmaßnahmen taucht der Grasfisch vielerorts auf. Die Dezimierung von wuchernden Laichkräutern lag beim Graskarpfenbesatz diverser Angelvereine primär im Vordergrund.

Nach dem Kontaktieren eines Fischereiexperten und dem Recherchieren im Internet war schnell klar, um welche Fischart es sich tatsächlich handelt.
Den Fisch, welchen ich fing war kein Marmorkarpfen.
Ich hielt an jenem Abend in Wahrheit einen Rhein-Silberkarpfen in den Händen!

Quelle: https://www.asv-neustaedter-see.de/fischkunde/fische-richtig-bestimmen/21-fischkunde/26-silberkarpfen-und-marmorkarpfen

Der Hammer! Von nun an glaube ich wirklich, dass „alles“ sein Unwesen im Rhein treibt.
Diese Story fällt definitiv unter die Rubrik „Kuriositäten am Wasser“. Werd´ ich nie vergessen.

Euer Kas

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